Zottel & Franzi – ein Kinderbuch, das gemeinsam mit meiner Tochter entstanden ist

Wie aus unseren eigenen Schafen, der Fantasie eines Kindes und ganz viel Freude am Entdecken ein Mitmachbuch für kleine Tierfreunde wurde.

Anna-Maria Dausch

10/9/20265 min lesen

Manchmal entstehen die schönsten Ideen mitten im eigenen Alltag. Bei mir waren es unsere beiden Schafe Zottel und Franzi, die den Grundstein für ein ganz besonderes Kinderbuch gelegt haben. Doch nicht nur unsere Tiere haben dieses Buch geprägt, sondern auch meine Tochter Leonie, die damals drei Jahre alt war und während der Entstehung bereits vier wurde. Heute möchte ich euch erzählen, wie „Zottel & Franzi“ entstanden ist, was hinter den einzelnen Mitmachseiten steckt und warum mir besonders wichtig war, ein Kinderbuch zu gestalten, das Kinder nicht nur anschauen, sondern selbst erleben können. Zottel und Franzi sind keine ausgedachten Tiere, die irgendwann auf dem Papier zum Leben erweckt wurden. Sie gehören zu unserem Alltag und haben mich dazu inspiriert, ihre Welt auch für andere Kinder zugänglich zu machen.

Ich wollte eine liebevolle Kinderwelt schaffen, in der Tiere, Natur und kleine Abenteuer im Mittelpunkt stehen. Eine Welt, in der Kinder etwas entdecken können, in der sie Fragen stellen dürfen und in der es nicht nur darum geht, eine Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite durchzulesen. Denn ich habe bei meiner eigenen Tochter etwas festgestellt: Sie war als kleines Kind nicht immer leicht für klassische Kinderbücher zu begeistern. Einfach nur eine Seite anzuschauen oder einer Geschichte zu folgen, war für sie oft weniger spannend als selbst aktiv zu werden. Sie wollte suchen, zeigen, zählen, Dinge entdecken und Aufgaben lösen. Und genau das brachte mich zum Nachdenken: Warum sollte ein Kinderbuch nicht so gestaltet sein, dass kleine Leserinnen und Leser selbst zu Entdeckern werden? So entstand die Idee, unsere beiden Schafe mit vielen kleinen Aufgaben und Entdeckungsmöglichkeiten zu verbinden. Bei der Gestaltung von „Zottel & Franzi“ war mir wichtig, nicht einfach nur meine eigenen Vorstellungen umzusetzen. Ich wollte sehen, was ein Kind in diesem Alter wirklich anspricht. Deshalb habe ich das Buch gemeinsam mit meiner Tochter abgestimmt. Sie war bei der Entstehung drei Jahre alt und wurde während dieser Zeit vier. Ihre Interessen, ihre Neugier und ihre Art, die Welt zu entdecken, haben mir dabei geholfen, das Buch aus Kinderaugen zu betrachten. Was macht Spaß? Wo möchte man genauer hinschauen? Welche Aufgaben wecken die Neugier? Und wie kann eine Buchseite so gestaltet sein, dass ein Kind nicht nur kurz hinsieht, sondern sich gerne länger damit beschäftigt? Diese Fragen waren für mich besonders wichtig. Ich wollte kein Buch entwickeln, bei dem Kinder einfach nur zuhören oder Bilder betrachten. Ich wollte ihnen Möglichkeiten geben, selbst aktiv zu werden – ganz ohne Leistungsdruck und angepasst an ihre individuellen Fähigkeiten. Natürlich ist jedes Kind anders. Was das eine Kind begeistert, findet ein anderes vielleicht weniger spannend. Aber durch die gemeinsame Entwicklung mit meiner Tochter konnte ich mich an dem orientieren, was sie selbst gerne machte. Und genau diese Erfahrung ist in „Zottel & Franzi“ eingeflossen.

Das Buch verbindet die Welt unserer beiden Schafe mit kleinen Such-, Zähl- und Entdeckungsaufgaben. Es lädt Kinder dazu ein, genauer hinzusehen, Dinge wiederzufinden, Namen zu vergeben und sich mit den Bildern zu beschäftigen. Dabei steht nicht im Vordergrund, möglichst schnell alle Aufgaben zu lösen. Vielmehr dürfen Kinder in ihrem eigenen Tempo entdecken, ausprobieren und sich über kleine Erfolge freuen. Auf den Seiten gibt es verschiedene Dinge zu entdecken. Kinder werden dazu angeregt, genau hinzusehen und bestimmte Motive wiederzufinden. Das macht aus dem gemeinsamen Anschauen ein aktives Erlebnis. Eltern können die Aufgaben vorlesen, mit ihren Kindern gemeinsam suchen oder sie zunächst selbst entdecken lassen. Dabei ergeben sich oft ganz von selbst weitere Fragen: Was ist das? Wo versteckt sich das gesuchte Motiv? Was fällt dir noch auf? Und was hast du auf dem Bild entdeckt, das wir noch gar nicht gesucht haben? So kann aus einer einzigen Seite ein kleines gemeinsames Abenteuer werden. Auch das Zählen und das Benennen von Dingen spielen eine Rolle. Kinder können sich mit Zahlen beschäftigen, Mengen erfassen und spielerisch üben, Dinge zu zählen. Gleichzeitig lädt das Buch dazu ein, Motive zu entdecken und ihnen Namen zu geben. Gerade im Kindergartenalter entwickeln Kinder ihre Sprache und ihren Wortschatz auf ganz unterschiedliche Weise. Bilder bieten dabei einen schönen Gesprächsanlass. Eltern können nachfragen, Dinge benennen oder ihr Kind erzählen lassen, was es gerade entdeckt. Das Buch soll dabei keine Prüfung sein. Es ist völlig in Ordnung, wenn eine Aufgabe noch schwierig ist oder ein Kind lieber erst einmal nur schaut. Wichtig ist, dass es Freude am Entdecken hat.

Eine meiner liebsten Ideen ist die Zahlen-Suche von 1 bis 10. Denn auch hier gibt es eine kleine Geschichte, die aus einer Aufgabe ein Abenteuer macht: Ein Sturm hat Franzi die Zahlen weggeweht! Nun müssen die Zahlen von 1 bis 10 wiedergefunden werden. Dadurch wird das Suchen mit einer kleinen Geschichte verbunden. Die Kinder haben einen Grund, sich auf die Suche zu machen, und können Franzi dabei helfen, ihre Zahlen wiederzufinden. Auf diese Weise begegnen ihnen die Zahlen nicht einfach nur als abstrakte Zeichen. Sie werden Teil einer Aufgabe, bei der genaues Hinschauen gefragt ist. Je nach Entwicklungsstand können Kinder die Zahlen bereits erkennen, sie benennen oder zunächst gemeinsam mit ihren Eltern danach suchen. Und wenn eine Zahl nicht sofort gefunden wird? Dann wird eben noch einmal genauer geschaut. Schließlich braucht Franzi ihre Zahlen wieder! Ich wollte, dass das Buch nicht einfach nach den letzten regulären Seiten zu Ende ist. Deshalb gibt es zum Schluss noch zusätzliche Seiten, auf denen Kinder das Gelernte und ihre Freude am Entdecken weiter ausleben können.

Am Ende des Buches befinden sich fünf separate Wimmelbuch-Seiten. Hier können Kinder noch einmal ganz in die Bilderwelt eintauchen und selbst auf Entdeckungsreise gehen. Wimmelbilder laden dazu ein, immer wieder etwas Neues zu finden. Selbst wenn man eine Seite schon kennt, entdeckt man beim nächsten Betrachten häufig weitere Einzelheiten. Das Schöne daran ist, dass es nicht unbedingt nur einen einzigen richtigen Weg gibt, sich mit einer solchen Seite zu beschäftigen. Ein Kind kann nach bestimmten Dingen suchen, andere Motive entdecken oder einfach erzählen, was ihm auf dem Bild auffällt. Eltern können kleine Suchaufgaben stellen oder ihr Kind selbst entscheiden lassen, wonach es Ausschau halten möchte. So entstehen immer wieder neue Gesprächsanlässe – und die Seiten können auch nach mehrmaligem Anschauen interessant bleiben. Zusätzlich gibt es fünf separate Fehlersuchseiten. Hier sind genaues Hinschauen und Vergleichen gefragt. Kinder müssen Unterschiede entdecken und herausfinden, was nicht zusammenpasst. Das kann ganz schön knifflig sein! Gerade wenn man etwas auf den ersten Blick nicht findet, muss man noch einmal genauer hinschauen. Dabei werden spielerisch Aufmerksamkeit und visuelle Wahrnehmung angesprochen. Kinder üben, Einzelheiten zu vergleichen und Unterschiede wahrzunehmen. Und natürlich macht es besonders viel Freude, wenn sie einen Fehler selbst entdecken, bevor Mama oder Papa ihn gefunden haben. Die Wimmelbuch-Seiten und die Fehlersuchseiten ergänzen das Buch um zwei unterschiedliche Arten des Entdeckens: einmal das freie Suchen in einer Bilderwelt und einmal das gezielte Vergleichen.

Als Mama habe ich selbst erlebt, dass Kinder Bücher ganz unterschiedlich nutzen. Manche lieben es, Geschichten vorgelesen zu bekommen. Andere möchten am liebsten jede Seite kommentieren, auf Bilder zeigen oder selbst Aufgaben lösen. Meine Tochter hat mir damals gezeigt, wie wertvoll es sein kann, Kinder aktiv einzubeziehen. Deshalb sollte „Zottel & Franzi“ ein Buch werden, bei dem die Kinder nicht nur Zuschauer sind. Sie dürfen mitdenken, suchen, zählen, benennen und entdecken.

„Zottel & Franzi“ ist aus unserer Familie entstanden – und ich hoffe, dass es auch in anderen Familien viele kleine Entdeckungsmomente schafft.

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Anna-Maria Dausch

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